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01 Ausgangslage und Haltung
_ Haltung
Ausgangslage
Die Nachfrage nach heilpädagogischer Unterstützung ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Immer mehr Familien wenden sich mit Fragen zur Entwicklung, zum Verhalten oder zu besonderen Unterstützungsbedarfen ihrer Kinder an die Praxis. Gleichzeitig sind die personellen und zeitlichen Ressourcen begrenzt.
Das bislang gängige Vorgehen, Erstkontakte über einzelne Erstgespräche zu organisieren, ist unter diesen Rahmenbedingungen nicht mehr in einer Weise leistbar, die dem fachlichen Anspruch der Praxis gerecht wird. Einzel-Erstgespräche binden viel Zeit, führen zu langen Wartezeiten und können bei hoher Nachfrage nicht für alle Familien zeitnah angeboten werden.
Vor diesem Hintergrund wurde das Vorgehen beim Erstkontakt bewusst neu gedacht und weiterentwickelt.
Fachliche Haltung
Die Heilpädagogische Praxis versteht sich als Ort fachlicher Sorgfalt, Verlässlichkeit und respektvoller Begleitung. Grundlage der Arbeit ist die Überzeugung, dass Familien in belastenden Situationen vor allem Orientierung, Transparenz und ernsthafte Zuwendung benötigen.
Ein zentraler Anspruch ist es, keine Angebote zu machen, die fachlich oder organisatorisch nicht verantwortbar umgesetzt werden können. Dies betrifft insbesondere den sensiblen Erstkontakt: Statt kurze oder stark verzögerte Einzelgespräche anzubieten, die weder der Komplexität der Anliegen noch dem Bedarf der Familien gerecht werden, setzt die Praxis auf einen strukturierten, gemeinsamen Einstieg.
Begründung für Informationsveranstaltungen als Einstieg
Informationsabende und Informationsvormittage bilden den ersten Kontakt zwischen Familien und Praxis. Dieses Format wurde bewusst gewählt, um:
- möglichst vielen Familien zeitnah Orientierung zu ermöglichen,
- Transparenz über Vorgehen, Haltung und Rahmenbedingungen zu schaffen,
- gleiche Zugangsbedingungen für alle Anfragenden sicherzustellen,
- und die vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen.
Die Informationsveranstaltungen ersetzen keine individuelle heilpädagogische Begleitung, Diagnostik oder Beratung. Sie schaffen jedoch eine fundierte Grundlage, auf der weitere Schritte sinnvoll und realistisch eingeordnet werden können.
Perspektive der Familien
Viele Familien erleben die Informationsveranstaltungen als entlastend. Sie erhalten einen Überblick, können ihre Situation besser einordnen und erleben, dass auch andere Familien mit ähnlichen Fragen und Sorgen konfrontiert sind. Häufig entsteht bereits im Rahmen der Veranstaltung ein erster Austausch unter Eltern.
Diese Erfahrung trägt dazu bei, Isolation zu verringern und Orientierung zu schaffen – auch dann, wenn eine individuelle Begleitung nicht unmittelbar beginnen kann.
Abgrenzung und Klarheit
Ein wesentlicher Bestandteil der Haltung ist die klare Kommunikation darüber, was die Informationsveranstaltungen leisten können und was nicht.
Nicht Bestandteil der Informationsveranstaltungen sind:
- individuelle fachliche Einschätzungen,
- Förderplanung oder Diagnostik,
- konkrete Zusagen zu weiteren Maßnahmen oder Zeiträumen.
Diese Klarheit dient dem Schutz der Familien vor falschen Erwartungen ebenso wie der fachlichen Integrität der Praxis.
Zusammenfassung
Die Entscheidung für einen strukturierten Erstkontakt über Informationsveranstaltungen basiert auf fachlichen, organisatorischen und ethischen Überlegungen. Ziel ist ein fairer, transparenter und verantwortungsvoller Umgang mit Anfragen – für Familien ebenso wie für die Praxis.
Dieses Kapitel bildet die inhaltliche Grundlage für alle weiteren Teile des Konzepts.